Ein Abendritual kann das Einschlafen deines Babys verbessern

Alle Eltern kennen das Thema. „Wie findet mein Baby möglichst unkompliziert und schnell in den Schlaf? Und deshalb sind wir besonders glücklich, dass Anja Engber mit uns Ihr Experten Wissen teilt.

Anja ist Erzieherin, Sprachförderkraft, Eltern-Kind-Kursleitung und Yogalehrerin. Sie führt in Mömbris eine Familien- und Hebammenpraxis. www.goldpunkt-und-puenktchen.de und ist außerdem berufstätige Mama.

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Ein Abendritual kann das Einschlafen deines Babys verbessern

 

In meinen Mama-Baby-Kursen kommen immer wieder Fragen zum Thema Babys und Schlafen auf:

  • Wann und wie bringe ich mein Baby/Kind ins Bett?
  • Mein Kind weint oft, wenn es schlafen soll?
  • Ich darf den Raum nicht verlassen, bis mein Baby schläft?
  • Mein Baby findet einfach nicht in den Schlaf!

Ich spüre hier immer wieder eine große Unsicherheit bei frischgebackenen Eltern. Aber auch wenn Kinder älter werden, kommt es immer wieder zu unruhigen Abenden und Nächten. Als meine Kinder klein waren, hatte ich schon etwas Wissen angeeignet, aber noch nicht die Kenntnisse durch Weiterbildungen gesammelt, die ich jetzt zu diesem Thema habe. Es hätte uns damals bestimmt so einiges erleichtert und die Abende für alle ruhiger gemacht. Genau deshalb, will ich mein Wissen mit euch teilen, damit ihr von Anfang an, euer Kind beim Einschlafen unterstützen könnt. Da das Thema gesunder Babyschlaf sehr umfangreich ist, konzentriere ich mich

in diesem Beitrag auf die Frage „Wie bringe ich mein Baby/Kind ins Bett?“

Noch ein kleiner Hinweis, wenn ich „Du“ schreibe, sind immer Mama oder Papa gemeint.;-)

 

Welche Faktoren könnt ihr beachten

Zuallererst, es gibt in vielen Phasen und Erziehungsfragen mit Kindern kein Patentrezept!

Aber es gibt immer Möglichkeiten und Impulse auf eine Situation zu reagieren und sie zu verändern.

Um die abendliche Bettbring-Situation zu entspannen, fange an diese zu Ritualisieren. Das heißt, bringe Dein Baby immer auf die gleiche Art und Weise ins Bett. Bevor Du mit dem Abendritual beginnst, solltet Du dein Baby schon vorher in einen sogenannten „Sinkflug“ gebracht haben. Das bedeutet, hier schon nicht mehr zu viel Aktion anbieten, ruhiger werden mit den Tagesaktivitäten, Spielzeiten, Besuch reduzieren. Auch der Einkauf im Supermarkt kann für ein Baby sehr fordernd sein.

Ein wichtiger Einflussfaktor ist dein eigener Gefühlszustand. Bist Du selbst noch unruhig vom Tag, voller Energie oder herrscht noch Hektik und Trubel vom Alltag? Möglicherweise bist Du bereits erschöpft und müde? Deine Ausstrahlung überträgt sich auf dein Kind. Nimm dir daher immer noch einen kurzen Moment für dich um innerlich ruhig zu werden und um herunterzufahren. Manchmal helfen da schon ein paar tiefe Atemzüge.

Das Abendessen ( Stillen/ Flasche oder Abendbrei) sollte rechtzeitig stattfinden, damit dein Kind noch nicht zu müde ist. Versuch auch hier schon Ruhe reinzubringen.

Wenn die ersten Müdigkeitssignale auftreten ( Augen reiben, Gähnen, wird unruhiger) beginne mit dem Abendritual.

So könnte ein Abendritual aussehen

  • Dein Baby ist satt und zufrieden. Falls dein Baby vor dem Schlafen gestillt wird oder eine Flasche bekommt, dann kommt dieser Punkt später.
  • Du machst es frisch. Du wickelst und ziehst dein Kind auf dem Wickeltisch um.
  • Das Licht sollte schon gedimmt sein und deine Stimme ruhig und eher leise. Gerne kannst Du deinem Baby ganz ruhig dabei erzählen, was Du machst. Zu helles Licht verhindert, dass das Schlafhormon „Melatonin“ gebildet wird.
  • Hier hast Du jetzt die Möglichkeit deinem Kind noch eine sanfte Streicheleinheit in Form eines Massageliedes oder einfach mit deinen Händen zu schenken. Ruhig, langsame und sanfte Bewegungen. Bitte nur, wenn dein Baby das annimmt und Du das regelmäßig machen möchtest. Als Alternative kannst Du auch ein ruhiges Lied singen/summen. Mache hier bitte nicht zu viel, also kein Animationsprogramm, hier ist weniger mehr!
  • Wenn Du fertig bist, bringst Du dein Kind ins Bett. Auch hier gibt es jetzt verschieden Möglichkeiten des Vorgehens.
  • Entweder legst Du dein Kind direkt ins Bett und bleibst noch etwas dabei, je nachdem was dein Kind braucht.
  • Falls dein Kind/ Baby dabei weint, tröste es. Wenn das Baby sich nicht im Bett trösten lässt, nehme es auf den Arm. Aber auch hier, ruhige Bewegungen, leise Stimme und lasse deine Atmung ruhig/gleichmäßig fliesen. Eltern sind verlässlich da und begleiten das Baby in den Schlaf.
  • Viele kleine Babys werde zum Einschlafen gestillt oder bekommen eine Flasche. Achte hier darauf, dass Du dein Baby bevor es einschläft von der Brust oder der Flasche löst. Ansonsten kann es sein, dass es beim nächsten Aufwachen danach sucht und es schwierig wird für euer Kind von alleine weiterzuschlafen.

 

Natürlich könnt ihr euer Abendritual nach euren Möglichkeiten und Bedürfnissen anpassen. Wichtig ist aber, dass es immer gleich abläuft. So bekommt das Baby Sicherheit und kann sich besser zurechtfinden. Es versteht unsere Sprache noch nicht, kann aber wiederkehren Abläufe erkennen und mit der Zeit zuordnen. Der Körper eurer Kinder kann sich besser auf das Schlafen einstellen. Ändert sich etwas an der abendlichen Routine, wird das Baby verwirrt und dadurch wieder hellwach.

Ich möchte erwähnen, dass es natürlich Kinder gibt die ohne Probleme abends ins Bett gehen und nicht unbedingt einen so festen Rhythmus brauchen, wobei das natürlichen allen Kindern Sicherheit und Verlässlichkeit bietet. Wenn Kinder aber Schwierigkeiten beim Einschlafen haben oder eher sensibler mit den Reizen des Alltags umgehen, kann so ein Ritual oder auch ein an sich  geregelter Tagesablauf sehr hilfreich sein. Rituale einzuführen braucht Zeit, unbedingt dranbleiben, auch wenn es nicht gleich nach zwei Tagen funktioniert. Mit Eurer Klarheit und Ruhe schenkt ihr Eurem Kind Sicherheit, Wärme und Geborgenheit. Dadurch baut es Vertrauen/Urvertrauen zu Euch, zu sich selbst und zum Leben auf. Davon kann es ein Leben lang profitieren!

 

Annehmen was ist

Falls Ihr gerade eine etwas schwierigere Zeit habt und Euer Kind euch viel und lange zum Einschlafen braucht, vermehrt weint und Ihr eigentlich auch noch etwas zu erledigen habt, versucht die Situation anzunehmen wie sie ist. Ich schreibe das aus eigener Erfahrung. Wir durften auch viele Abende unsere Kinder im Arm halten oder neben dem Kinderbett sitzen, bis sie es endlich geschafft haben in den Schlaf zu finden. Manchmal schon der Verzweiflung nahe, weil das ganze Prozedere, das viele Weinen einfach sehr Kräfte zehrend sein kann. Erst als ich den Kampf aufgeben habe, spätestens nach 15 min wieder unten zu sein, wurde es besser.

  • Nutze die Zeit bei Deinem Kind für Dich.
  • Hältst Du dein Baby im Arm, dann ruhe Dich mit aus. Passe Deine Atmung der deines Kindes an und werde innerlich ganz ruhig, das hilft auch Deinem Kind sich zu entspannen.
  • Wenn es reicht, dass Du neben dem Bett sitzt, dann lese z.B. ein Buch. (kleine Leselampe benutzen)

Versuche die Situation anzunehmen wie sie ist, Dein Kind braucht Dich/Euch jetzt einfach. Manchmal löst sich ein eingefahrener Moment dann von ganz alleine oder es wird leichter.

Die Situation wird sich wieder ändern, nach ein paar Tagen/Wochen, je nachdem. Aber es geht vorbei, so wie jede Phase die Du mit deinem Kind durchleben darfst. Wichtig finde ich, immer wieder ganz individuell zu schauen, was ist in dieser momentanen Situation das Richtige für Euer Kind und für Euch? Ihr müsst nichts machen, weil es eben so von der Gesellschaft vorgeben wird z.B: das Baby muss in seinem Bett einschlafen! Lass dein Kind auch mal schreien! Warum?

Oder die Großeltern/ Freunde dir etwas anderes raten. Hört auf Euer Gefühl/Eure Intuition, es gibt für jede Familie ganz individuelle Möglichkeiten und Lösungen.

Ein letzter Tipp

Wechsel Dich, wenn möglich, mit Deinem Partner ab. So hat jeder auch mal einen Abend für sich, kann Kraft tanken und das Baby lernt mit beiden Elternteilen gleich gut ins Bett zu gehen/einzuschlafen.

In diesem Sinne, wünsche ich Euch gute und schlafreiche Nächte.

Falls ihr weitere Fragen zum Thema gesunden Babyschlaf habt, schreibt mir gerne. Bei umfangreicheren Fragen, kann ich euch gerne ein Beratungsgespräch anbieten.

 Eure Anja Engber 

Gold Punkt und Pünktchen 

 

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